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Bild: © schame87 - stock.adobe.com

6. April 2023

UNESCO Welterbe Swiss Alps Jungfrau-Aletsch in Gefahr

Der Kanton Wallis plant neue Wasserkraftwerke unter anderem im UNESCO-Welterbe Gebiet Swiss Alps Jungfrau-Aletsch. Die geplanten Staumauern und -seen würden einzigartige Landschaften und Lebensräume für geschützte Arten zerstören – dies alles ohne angemessene Interessenabwägung zwischen Schutz und Nutzen und ohne fairen Ausgleich im Sinne der Natur. Aqua Viva wehrt sich gegen die Pläne des Kantons und fordert den Erhalt der letzten unberührten Berglandschaften der Schweiz mit ihren intakten Gewässerlebensräumen.


«Das Gebiet um den Aletschgletscher gehört zum Kulturgut der Schweiz und beinhaltet eines der wertvollsten Naturschutzgebiete der Alpen. Es darf nicht sein, dass wir solche Naturjuwelen für die Stromerzeugung opfern, solange es riesige, unausgeschöpfte Potentiale beispielsweise im Bereich der Solarenergie gibt.»

Alvaro Baumann y Carmona, Projektleiter Gewässerschutz bei  Aqua Viva

Der Kanton Wallis hat am 3. März seine Pläne zum Ausbau der Winterstromproduktion öffentlich aufgelegt. Demnach sollen zunächst acht Wasserkraftprojekte im Richtplan festgelegt werden. Aqua Viva kritisiert die Neubauprojekte Chummensee, Gorner und Oberaletsch als nicht vertretbare Eingriffe in unberührte Berglandschaften. Für die fünf weiteren Ausbau-Projekte bestehender Wasserkraftanlagen braucht es zudem eine individuelle und sorgfältige Prüfung, welche auch die Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes angemessen berücksichtigt.

In der Schweiz gelten nur noch rund fünf Prozent des Gewässernetzes als intakt. Viele dieser letzten, unberührten Gewässerlebensräume befinden sich in den Alpen. Wilde Bergbäche, dynamische Schwemmebenen und intakte Hochmoore im alpinen Raum beherbergen eine grosse Artenvielfalt. Hier plant der Kanton Wallis nun neue Wasserkraftanlagen. Der geplante Stausee Oberaletsch befindet sich beispielsweise in der Region des UNESCO-Welterbes und dem BLN-Gebiet Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn. Die durch den Gletscherrückgang freigewordenen, bislang unberührten Flächen würden geflutet und der Oberaletschbach mit seinen wertvollen Auengebieten zur Restwasserstrecke degradiert. Die Staumauer sowie der ökologisch wertlose Stausee würden das Landschaftsbild massiv beeinträchtigen. Sollte die Anlage wirklich gebaut werden, könnte dies sogar den Status des Gebiets als Welterbe in Frage stellen – mit Folgen auch für den Tourismus in der Region.

Trotz der weitreichenden Auswirkungen und entgegen der gesetzlichen Vorgaben verzichtet der Kanton auf eine ausgewogene Interessenabwägung zwischen Schutz und Nutzen. Während bei den Kriterien des Nutzens auf Entwicklungskonzepte und Zieldefinitionen eingegangen wird, fehlen diese im Bereich Umwelt gänzlich. Artikel 10 des Energiegesetzes sieht zudem vor, dass im Richtplan neben Gewässerstrecken für die Wasserkraftnutzung auch solche festzulegen sind, die es im Sinne des Natur- und Landschaftsschutzes freizuhalten gilt. Einen solchen absoluten Schutz von unberührten Gebieten als Ausgleich im Sinne der Natur bräuchte es zwingend, doch in den Plänen des Kantons sucht man vergeblich danach. Dieser Verpflichtung muss der Kanton zugunsten der Biodiversität, aber auch im Sinne des Tourismus nachkommen. Denn neben der Klimakrise dürfen wir die Biodiversitätskrise nicht vergessen.

Mit Blick auf einen weiteren Zubau der Wasserkraft und die dadurch entstehenden Einnahmen aus dem Wasserzins vergisst der Kanton Wallis seine ökologischen Pflichten und riskiert sorglos den Verlust unberührter Landschaften und Lebensräume. Aqua Viva fordert die Verantwortlichen auf, ihre Pläne schnellst möglich zu korrigieren.

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In den Alpen liegen die letzten unberührten Gewässerlebensräume der Schweiz. Wilde Bergbäche, dynamische Schwemmebenen, intakte Hochmoore und Quellen im alpinen Raum sind wahre Hotspots der Biodiversität.  

Die Schweiz braucht mehr erneuerbare Energie. Das Potential bei der Wasserkraft ist jedoch erschöpft, Bäche und Flüsse leiden und der Druck nimmt weiter zu. Aqua Viva fordert ein Umdenken in der Schweizer Energiepolitik.

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