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Bild: © Jürgen Wackenhut - stock.adobe.com 

21. Februar 2025

Wasserkraftnutzung 2024 auf Rekordhoch

Die Schweizer Gewässer lieferten 2024 48,3 TWh Strom. Ein neuer Rekord und netto fast 20 Prozent über dem gesetzten Ausbauziel für die Wasserkraftnutzung bis 2035. Überschüsse werden ins Ausland exportiert, auch in den Wintermonaten. Trotzdem will der Bund die Wasserkraftproduktion auch in bisher unberührten Berglandschaften weiter ausbauen. Diese haben ein riesiges Potenzial für die Bewahrung der Artenvielfalt und sind wichtiger Teil der Schweizer Identität.


«Kein anderer Lebensraum hat derart unter den Aktivitäten des Menschen gelitten wie unsere Fliessgewässer. Ein weiterer Ausbau der Wasserkraft in unberührten Landschaften und an ungenutzten Gewässerabschnitten ist angesichts der bereits erreichten Produktionszahlen nicht angemessen»

Martina Munz, Präsidentin von Aqua Viva

Das Bundesamt für Energie hat am 20. Februar seine jährliche Elektrizitätsstatistik veröffentlicht. Demnach stammten 2024 60 Prozent der Schweizer Stromproduktion aus Wasserkraft (48,3 von 80,5 TWh). Die definierten Wasserkraft-Ausbauziele – im 2024 revidierten Energiegesetz – für 2035 (37,9 TWh) und 2050 (39,2 TWh) wurden damit deutlich überschritten, auch nach Abzug des nur durch Pumpspeicherung produzierten Stroms (ca. 3,9 TWh).

Über 40 TWh Strom hat die Schweiz 2024 ins Ausland exportiert. Abzüglich der Stromimporte ergibt dies einen Export-Überschuss von 14,4 TWh. Selbst im Januar oder November exportierte die Schweiz grosse Strommengen – eigentlich die Winterstromreserve für das Inland.

Gründe für die seit Jahren kontinuierlich wachsende Produktion sind neben der Gletscherschmelze und höheren Niederschlagsmengen auch der Neubau von Wasserkraftanlagen. Allein zwischen 2013 und 2022 wurden über 200 Anlagen neu in Betrieb genommen, viele davon an naturnahen oder sogar geschützten Gewässerabschnitten.

Heute gelten weniger als 5 Prozent der Schweizer Fliessgewässer noch als vollständig intakt. Die meisten davon liegen in unberührten, wilden Berglandschaften unterhalb unserer Gletscher. Mit dem Klimawandel und der dadurch bedingten Gletscherschmelze wurden Gebiete frei, auf denen sich die Natur ungestört entwickeln kann. Schon heute sind einzigartige Naturjuwelen mit einer faszinierenden Artenvielfalt entstanden. Für Arten, die vor den steigenden Temperaturen in höhere, kühlere Regionen fliehen, sind sie dringend benötigte Rückzugsräume.

Die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Energie zeigen deutlich, dass die Schweizer Wasserkraft einen riesigen Beitrag leistet zur Stromversorgung und zur Energiewende und gesetzte Ziele erfüllt. Aqua Viva setzt sich daher statutengemäss ein für die Erhaltung der letzten noch unberührten Gewässer und Landschaften. Stattdessen müssen wir endlich das Potenzial der Solarenergie auf bestehenden Infrastrukturen sowie im Bereich der Energieeffizienz konsequent ausschöpfen.

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